Ich staune

stein 007 Ich staune, dass die rote Farbe rot ist,

Ich staune, dass die gelbe gelb erglimmt.

Ich staune, dass, was ringsum lebt, nicht tot ist,

Und dass, was tot ist, nicht ins Leben stimmt.

Ich staune, dass der Tag alltäglich nachtet,

Wenn ihm das Licht verwest zur Dämmerung.

Ich staune, dass frühmorgens überfrachtet

Von Sonnenglück, ein neuer kommt in Schwung.

Ich staune, dass durch alle Lebenssprossen

Das Männ- und Weibliche geschieden bleibt,

Und diese Zwieheit, niemals ausgenossen,

Als Wonne unsre Herzensfluten treibt.

Mein Staunen ist kein Forschen nach dem Sinne.

Mein Staunen ist des Sinnes selbst der Sinn.

Nur durch Erstaunung werd ich meiner inne.

Ich staune, dass ich staune, dass ich bin.“

Franz Werfel

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8 Responses to Ich staune

  1. maribey sagt:

    Wunderbar. Ich staune mit.

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  2. Sophie sagt:

    Ja wunderbar und ich werde am Freitag zum Staunen gehen. ich kannte das Gedicht nicht und nehm es mir mal in meinen Ordner.

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  3. Sophie sagt:

    Hat dies auf Die Eleganz des Igels rebloggt.

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  4. . sagt:

    Hat dies auf Leine Deichgraf rebloggt.

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  5. fsmilla sagt:

    Ein schönes Gedicht, ich staune gerne.
    LG Smilla

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  6. ilona sagt:

    wunderschön ❤

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