auch wenn du traurig bist, scheint die Sonne

gump 201

Die Sonne scheinet hell und warm,

Als wäre nichts geschehen:

Sie achtet nicht, daß tief in Harm

Zwei Menschenherzen flehn.

Unstäte Wolken hin und her

Mir ziehn durch den Sinn,

Und Tropfen fallen heiß und schwer

Auf meine Seele hin.

Die Thränen sind es, die mein Lieb

In unsern Kuß geweint,

Da’s wieder auseinander trieb

Uns, die sich kaum vereint.

Ach, lang genug hatt‘ unser Herz

Geschwebt in lautrer Lust:

Nun ward uns auch der Liebe Schmerz

Recht bitterlich bewußt.

Drei Tage froh! am vierten sank

Aufs neu‘ die Freud‘ ins Grab

Verrauscht vom bittern Leidenstrank

Zieh‘ ich das Land hinab.

Wer achtet’s doch, daß tief in Harm

Zwei Menschenherzen stehn?

Die Sonne scheinet hell und warm,

Als wäre nichts geschehn.

Karl Heinrich Wilhelm Wackernagel

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