Kategorie: PROSA und LYRIK
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Der Müller und der Bach

[Der Müller] Wo ein treues HerzeIn Liebe vergeht,Da welken die LilienAuf jedem Beet. Da muß in die WolkenDer Vollmond gehn,Damit seine TränenDie Menschen nicht sehn. Da halten die EngleinDie Augen sich zu,Und schluchzen und singenDie Seele zu Ruh [Der Bach] Und wenn sich die LiebeDem Schmerz entringt,Ein Sternlein, ein neues,Am Himmel erblinkt. Da springen drei…
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Franz Kafka – Das Schloss
Im ganzen entsprach das Schloss, wie es sich hier aus der Ferne zeigte, K.s Erwartungen. Es war weder eine alte Ritterburg, noch ein neuer Prunkbau, sondern eine ausgedehnte Anlage, die aus wenigen zweistöckigen, aber aus vielen eng aneinander stehenden niedrigen Bauten bestand; hätte man nicht gewusst, dass es ein Schloss sei, hätte man es für…
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Ein Gedicht von Wilhelm Busch

Sie war ein Blümlein hübsch und fein,Hell aufgeblüht im Sonnenschein.Er war ein junger Schmetterling,Der selig an der Blume hing. Oft kam ein Bienlein mit GebrummUnd nascht und säuselt da herum.Oft kroch ein Käfer kribbelkrabAm hübschen Blümlein auf und ab. Ach Gott, wie das dem SchmetterlingSo schmerzlich durch die Seele ging. Doch was am meisten ihn…
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Die Frösche

Ein großer Teich war zugefroren;Die Fröschlein, in der Tiefe verloren, Durften nicht ferner quaken noch springen,Versprachen sich aber, im halben Traum:Fänden sie nur da oben Raum,Wie Nachtigallen wollten sie singen. Der Tauwind kam, das Eis zerschmolz,Nun ruderten sie und landeten stolzUnd saßen am Ufer weit und breitUnd quakten wie vor alter Zeit.Johann Wolfgang von Goethe
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Die Seeinsel Inisfree

Ich werde aufstehen und losgehen, nun nach Innisfree gehen,Und werde aus Lehm und Weide dort eine kleine Hütte bauen,Neun Reihen Bohnen und ein Korb für die Bienen sollen dort stehenUnd ich lebe allein auf den summenden Auen. Und dort werde ich Frieden finden, denn Frieden tropft ganzLangsam vom Morgenschleier dorthin, wo die Grillen singen.Mitternacht ist…
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„Der Jüngste Tag“
ERSTES BILD Wir befinden uns vor einem Bahnhofsgebäude und sehen von links nach rechts eine Tür, die nach dem ersten Stock führt, einen Fahrkartenschalter und abermals eine Tür mit Milchglasscheiben und der Überschrift »Stationsvorstand«. Daneben einige Signalhebel, Laufwerk und dergleichen. An der Wand kleben Fahrpläne und Reisereklame. Zwei Bänke. Rechts verläuft aus dem Hintergrunde nach…
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Die blaue Sonne im März

Das erste Fest des Lichtes Der blauen Sonne im März. (Nüchternheit des Berichtes! Vermeidung des Wortes Herz!) Die Amseln, die Meisen, die Spechte. Der große Sturm überm Land. Und das vergangene Schlechte War etwas, das man erfand, Weil Winter war und Verzweiflung Über das fehlende Licht. Salto mortale. Aufschwung! Vergessen ist der Verzicht Auf Jugend,…
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Abend am Teich

Wer wirklich leben will, fängt am besten gleich an; Wer das nicht will, kann‘s ja bleiben lassen, doch stirbt er dann. Wyston Hugh Auden
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Ich bin ein Tiger im Regen

Ich bin ein Tiger im Regen Wasser scheitelt mir das Fell Tropfen tropfen in die Augen Ich schlurfe langsam, schleudre die Pfoten Die Friedrichstraße entlang Und bin im Regen abgebrannt Ich hau mich durch Autos bei Rot Geh ins Café um Magenbitter Fress die Kapelle und schaukle fort Ich brülle am Alex den Regen scharf…
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Kommt einer aus der Ferne……..
Kommt einer von ferne mit einer Sprache die vielleicht die Laute verschließt mit dem Wiehern der Stute oder dem Piepen junger Schwarzamseln oder auch wie eine knirschende Säge die alle Nähe zerschneidet — Kommt einer von ferne mit Bewegungen des Hundes oder vielleicht der Ratte und es ist Winter so kleide ihn warm kann auch…
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AUF DIE STRUDELHOFSTIEGE ZU WIEN
Wenn die Blätter auf den Stufen liegen herbstlich atmet aus den alten Stiegen was vor Zeiten über sie gegangen Mond darin sich zweie dicht umfangen hielten, leichte Schuh und schwere Tritte, die bemooste Vase in der Mitte überdauert Jahre zwischen Kriegen. Viel ist hingesunken uns zur Trauer und das Schönste zeigt die kleinste Dauer.
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Kommt jetzt für dich die zeigerlose Stunde

kommt jetzt für dich die zeigerlose stunde doch das welke blatt birgt vergessenen hauch Texte von Ludwig Hartinger
