Kategorie: PROSA und LYRIK
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Der Apfelbaum
Der Herbstwind hat vom Apfelbaum das letzte Laub verweht, so dass der ohne Blätterkleid nun quasi nackt da steht. Nur seine Rinde schützt ihn noch, rau, braun und windgegerbt, doch hat auch dieses Jahr ihm einen letzten Schmuck verehrt. Wie bunte Accessoires kann man in seinen kahlen Ästen die letzten Äpfel hängen seh´n und Vögel,…
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Gedanken in Grün
„Wo kämen wir hin, wenn alle sagten, wo kämen wir hin, und keiner ginge, um zu sehen, wohin wir kämen, wenn wir gingen ?“ Kurt Marti
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Hätt ich des Himmels reichbestickte Tücher
Hätt ich des Himmels reichbestickte Tücher, bestickt aus Golden- und aus Silberlicht, die dunklen, die blauen und die hellen Tücher, aus Nacht, aus Tag und aus der Dämmerung, legt ich die Tücher dir zu Füßen. Doch ich bin arm und habe nichts als Träume, so leg ich meine Träume dir zu Füßen. Tritt leise, denn…
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Noch eine Geschichte.
Ich wandere im Tiroler Unterland eine Forststraße bergab. Ich bin ohne Gepäck und gehe schnell. Ich schließe zu zwei Musikanten auf, die ebenfalls diese Straße bergab gehen. Es ist heiß, sie schwitzen sicher nicht nur vom Gehen, sondern auch was sie tragen. Einer trägt seine schwere Ziehharmonika am Rücken, dazu links und rechts je eine…
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il Blue
Dorthin – will ich; und ich traue Mir fortan und meinem Griff. Offen liegt das Meer, in’s Blaue Treibt mein Genueser Schiff. Alles glänzt mir neu und neuer, Mittag schläft auf Raum und Zeit – : Nur dein Auge – ungeheuer Blickt mich’s an, Unendlichkeit! Friedrich Nietzsche
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Der Frühling hat im Gebirge einen schweren Kampf zu führen
Aller Wind ist heimgegangen, alles Wasser ruht geglättet. Berg an Berg liegt sanft gekettet, und der Himmel ist verhangen. Nur ein Hauch vom Silbergrauen weckt auf Lachen und auf Spritzern hier und da ein stumpfes Glitzern, und die blassen Wolken tauen. Gipfel liegen noch im Weißen, doch aus unbegrünten Mulden keimt unendliches Gedulden und unendliches…
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…mit den letzten Strahlen
Komm, liebe Nacht Der liebe gold‘ne Tag, Er will nun schlafen geh‘n, Der heiße Herzensschlag Der Erde bleibt nun steh‘n. Die Lüfte werden kühl, Die Schatten werden groß, Der Vögel süßes Spiel Ruht sanft im Blätterschoß. Du liebe stille Nacht, Komm, singe mir dein Lied, Das alles schlafen macht. Denn sieh‘, ich bin so müd.…
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Vor Kälte ist die Luft erstarrt
Vor Kälte ist die Luft erstarrt, Es kracht der Schnee von meinen Tritten, Es dampft meine Hauch, es klirrt meine Bart; Nur fort, nur immer fortgeschritten! Wie feierlich die Gegend schweigt! Der Mond bescheint die alten Fichten, Die, sehnsuchtsvoll zum Tod geneigt, Den Zweig zurück zur Erde richten. Frost, friere mir ins Herz hinein, Tief…
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Zell am See – im Schnee
Vierundzwanzig Tage hat es schon geschneit. Das ist eine Plage! Ach: du liebe Zeit, wohin ich seh, Überall Schnee, Schnee weit und breit. Aber besonders in der Näh von Gnesen. Gleich großen gespenstischen Besen recken sich Pappeln in die graue, leere Atmosphäre, drauf sitzen elf kohlpechrabenschwarze Raben. Die haben jeder zwei Flügel, mit denen sie…
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Wanderer tritt still herein
Wenn der Schnee ans Fenster fällt, Lang die Abendglocke läutet, Vielen ist der Tisch bereitet Und das Haus ist wohlbestellt. Mancher auf der Wanderschaft Kommt ans Tor auf dunklen Pfaden. Golden blüht der Baum der Gnaden Aus der Erde kühlem Saft. Wanderer tritt still herein; Schmerz versteinert die Schwelle. Da erglänzt in reiner Helle Auf…
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Nichts kann ich tun – nichts
Wir haben uns viel zu erzählen der Tisch an dem wir sitzen ist hart gefroren Und ich rede bis ich heiser bin immer noch heiser von den Märchen als ihr noch klein wart. Elisabeth Borchers
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Der Morgen nach dem Schneesturm – „Bergfrau“
Ich träumte eine Frau Ich träumte einen Berg Ich träumte dass der Berg eine Frau war Ich ging im Traum auf den Berg zu Zuflucht zu suchen an seinen Wurzeln Doch der Berg umsäumte ein weißer Schleier und kalt war das Schneetreiben an seinen Wurzeln Ingibjörg Haraldsdottir Übersetzt aus dem Isländischen von Franz Gilason und…
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die Etüden – (die erste Probe aus dem Gabentisch)
vergeben sie mir, maestra, aber ich haßte sie und ihr klavier, die teppichdumpfen mittwochnachmittage, die falben klepper – zähne, die gebleckte tastatur, zögernd vor einem haus, an dem der efeu seine partitur bis über alle rinnen wuchern ließ, dem butzenglas der tür, wo sich das licht brach, dann zu bündeln schien, zu schwimmen,…
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„Der kleine Prinz“ – Und so habe ich denn diesen Planeten nach Angaben des kleinen Prinzen (gezeichnet).
In der Tat gab es auf den Planeten des kleinen Prinzen wie auf allen Planeten gute Gewächse und schlechte Gewächse. Infolgedessen auch gute Samenkörner von guten Gewächsen und schlechte Samenkörner von schlechten Gewächsen. Aber die Samen sind unsichtbar. Sie schlafen geheimnisvoll in der Erde, bis es einem von ihnen einfällt, aufzuwachen. Dann streckt er sich…