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Es war einmal …
…ein Königsschloß mit einem spitzen Turm. Auf diesem Turm war eine goldene Kugel und auf der Kugel war eine kunstvolle Wetterfahne. … ein König und eine Königin, die waren reich und hatten alles was sie sich wünschten, nur keine Kinder. Endlich erfüllte Gott ihre Wünsche; als das Kind aber zur Welt kam, sah’s nicht aus…
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Die Stille am Abend
Wie liegt im Mondenlichte Begraben nun die Welt; Wie selig ist der Friede, Der sie umfangen hält! Die Winde müssen schweigen, So sanft ist dieser Schein; Sie säuseln nur und weben Und schlafen endlich ein. Und was in Tagesgluten Zur Blüte nicht erwacht, Es öffnet seine Kelche Und duftet in die Nacht. Wie bin ich…
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Wintergarten
Deinen Briefumschlag mit den zwei gelben und roten Marken habe ich eingepflanzt in den Blumentopf Ich will ihn täglich begießen dann wachsen mir deine Briefe Schöne und traurige Briefe und Briefe die nach dir riechen Ich hätte das früher tun sollen nicht erst so spät im Jahr Erich Fried
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Elke
Ich bin, was ich erlebe. Ich erlebe, was ich denke. Ich denke, was ich fühle. Ich fühle, was ich glaube. Ich glaube, was ich will. Ich will, was ich liebe. Ich liebe, was ich bin.
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Gold
Zu Golde ward die Welt; zu lange traf der Sonne süßer Strahl das Blatt, den Zweig. Nun neig dich, Welt, hinab. Bald sinkt’s von droben dir in flockigen Geweben verschleiernd zu – und bringt dir Ruh, o Welt, o dir, zu Gold geliebtes Leben, Ruh Christian Morgenstern