Kategorie: PROSA und LYRIK
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LEBEN
Es ist nicht der Schnee der fällt – Es sind die langen Nächte WINTER Es ist nicht das Funkeln der Sterne – Es ist das Abendlied der Amsel SOMMER Es sind nicht die Fröste am Morgen – Es ist die Kraft die in die Blüten drängt FRÜHLING Es ist nicht der Wind und der Regen…
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Schlaflied für dich
Komm zu mir, dann wieg‘ ich dich, wiege dich zur Ruh‘. Komm zu mir und weine nicht, mach die Augen zu. Ich flechte dir aus meinem Haar Eine Wiege, sieh! Schläfst drin aller Schmerzen bar, träumst dich ohne Müh‘. Meine Augen sollen dir Blinkend Spielzeug sein. Meine Lippen schenk‘ ich dir – Trink dich in…
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Dezemberabend
O winterliche Fünf-Uhr-Stunde! Der Himmel übern Kahlenberg Vertropft die blasse Seitenwunde Ins aufgebauschte Wolkenwerg. In Grinzing und in Heiligenstadt Entspringt das Licht in langen Zeilen. Mondhoch bewacht ein Ziffernblatt Den Park, wo frierend Menschen eilen. Mein Blick geht den Vermummten nach, Die mühsam sich durchs Dunkel treiben. Ein schweres Ohmen stäubt vom Dach Drei Würfe…
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Ich bin – und nicht mehr
Weiß nicht woher. Weiß nicht, wohin. Weiß nur: Ich bin – und nicht mehr. Gehe – nicht weit. Sehe – nicht viel. Finde kein Ziel in der Zeit. Was mir entspross, welkt wieder fort. Tod ist ein Wort, das ist groß. Weiß nicht den Sinn. Gott? Oder Trug? Gnade genug, dass ich…
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Melancholie des Abends
– Der Wald, der sich verstorben breitet – Und Schatten sind um ihn, wie Hecken. Das Wild kommt zitternd aus Verstecken, Indes ein Bach ganz leise gleitet Und Farnen folgt und alten Steinen Und silbern glänzt aus Laubgewinden. Man hört ihn bald in schwarzen Schlünden – Vielleicht, dass auch schon Sternen scheinen. Der dunkle Plan…
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Erfroren das Licht
Erfroren das Licht, die Luft erfroren in glasigen Blöcken verkeilt Himmel und Erde blutlos – das rote, pochende Herz: da es Sonne war, da es Leben war – und erfroren, begraben wie Tag und Traum in erstarrten Adern Alois Hergouth
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Die guten Dinge des Lebens sind alle kostenlos
Die guten Dinge des Lebens sind alle kostenlos: die Luft, das Wasser, die Liebe. Wie machen wir das bloß, das Leben für teuer zu halten, wenn die Hauptsachen kostenlos sind? Das kommt vom frühen Erkalten. Wir genossen nur damals als Kind die Luft nach ihrem Werte und Wasser als Lebensgewinn, und Liebe, die unbegehrte, nahmen…
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Liebesbrief
Verse 1: Ich fiel Kopfüber unter Wasser Etwas zog mich nach unten Und ich wär wohl ertrunken Hätte ich Dich nicht gefunden War am Boden zerstört Wie dass den meisten geht Aber Du hast mich wiederbelebt Jetzt bin ich hungrig nach Leben Fütter mich mit Erfahrung Jedes Wort von Dir Ist für mich Nahrung Und…
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Tröste dich, die Stunden eilen
Tröste dich, die Stunden eilen, Und was all dich drücken mag, Auch die schlimmste kann nicht weilen, Und es kommt ein andrer Tag. In dem ew’gen Kommen, Schwinden, Wie der Schmerz liegt auch das Glück, Und auch heitre Bilder finden Ihren Weg zu dir zurück. Harre, hoffe. Nicht vergebens zählest du der Stunden Schlag: Wechsel…
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Das Bächlein
Mein Lieb‘ ist das Bächlein, das Bächlein im Wald, es sprudelt durch Schatten und Sonnenschein bald, und schau‘ ich vom Ufer in’s Wasser hinein, kein Spiegel kann klarer, kann reiner nicht sein; steh‘ fern ich am Hügel, winkt’s immer noch hold, blitzt hell durch die Büsche wie Silber und Gold, und wird’s meinem Auge vom…
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Das ist die Sehnsucht – Und das ist das Leben
Das ist die Sehnsucht: wohnen im Gewoge und keine Heimat haben in der Zeit. Und das sind Wünsche: leise Dialoge täglicher Stunden mit der Ewigkeit. Und das ist Leben. Bis aus einem Gestern die einsamste Stunde steigt, die, anders lächelnd als die andern Schwestern, dem Ewigen entgegenschweigt. Rainer Maria Rilke
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auch wenn du traurig bist, scheint die Sonne
Die Sonne scheinet hell und warm, Als wäre nichts geschehen: Sie achtet nicht, daß tief in Harm Zwei Menschenherzen flehn. Unstäte Wolken hin und her Mir ziehn durch den Sinn, Und Tropfen fallen heiß und schwer Auf meine Seele hin. Die Thränen sind es, die mein Lieb In unsern Kuß geweint, Da’s wieder auseinander trieb…
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Sonette
soll ich dich einem sommertag vergleichen? du bist viel lieblicher, so sanft am mai; die blüten, rau vom wind gerüttelt, weichen und sommers Pracht ist stets zu früh vorbei. des himmels auge überhitzt bisweilen und ebenso wird goldner glanz verstimmt; und alles schön entschönt dann mal in teilen, per zufall, oder jahreszeitbestimmt. doch du, mein…
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Frühlingsglaube
Die linden Lüfte sind erwacht, Sie säuseln und weben die ganze Nacht, Sie schaffen an allen Enden. O frischer Duft, o neuer Klang! Nun, armes Herze, sei nicht bang! Nun muß sich alles, alles wenden. Die Welt wird schöner mit jedem Tag, Man weiß nicht, was noch werden mag, Das Blühen will nicht enden. Es…
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Als alles vorbei war
Als alles vorbei war Krieg und Frieden Mann und Frau Form und Inhalt Als die Sonne auf- und untergegangen war Samt Mond und Stern und den Musikalien des Himmels und die Erde Setzten wir uns und warteten auf das was kommt. Elisabeth Borchers