Kategorie: PROSA und LYRIK
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Weißt du, warum ich bei dir bin so gerne
Weißt du, warum ich bei dir bin so gerne, Landfremder Findling, liebe Kostbarkeit? Die andern Leute sind ein Haufen Sterne, Du wie der Mond bist einzig weit und breit. Was andre sprechen, ist wie Sand der Düne, Was du sprichst, ist wie Edelstein im Schacht. Die andern machte Gott mit der Maschine, Mit seinen Händen…
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Erfinden Sie meine Vergangenheit
Où est-ce que je suis? Qui êtes-vous? Qu’est-ce que je fais ici? Emmenez-moi partout, Partout mais pas ici, Faites-moi oublier Tout ce que j’ai été Inventez mon passé, Donnez sens à la nuit. Inventez le soleil Et l’aurore apaisée Non je n’ai pas sommeil, Je vais vous embrasser Êtes-vous mon amie? Répondez, répondez. Où est-ce…
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Der Mai – es war, ist und wird
Es ist, da wir es sehen, hören, riechen. Es ist, da wir es selber sind. Es trägt in etwas, das aus allem, was es war und was wir waren, wird. Alois Hergouth
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O mag ein Engel Dir die Schrift diktieren
O mag ein Engel Dir die Schrift diktieren, dass jedes Wort mir Wonne sei und Lust, ein Engel Deine Feder führen, ein Zauber drinnen leben unbewusst! Damit, wenn ich das Siegel löse, das Glück sich ungetrübt daraus ergießt, und keine Wolke, keine böse, mein Geist von Deinem Geiste liest. Friederike Kempner
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Ich habe mir diesen japanische Hauch eingefangen
O Wind, der um den Fuji weht, könnt ich doch einen Hauch von dir in meinem Fächer mit nach Hause nehmen! Bashö
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Etwas wie Alkohol
Es ist etwas wie Alkohol in diesem Wetter. Schlecht macht es den Menschen, schlecht. Wenn man auch Sehnsucht hat – Die Geliebte ist woanders, Und man selbst woanders. Krank macht es den Menschen, krank. Es ist etwas wie Alkohol in diesem Wetter. Betrunken macht es den Menschen, betrunken. Orhan Veli
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Die Frösche
Ein großer Teich war zugefroren; Die Fröschlein, in der Tiefe verloren, Durften nicht ferner quaken noch springen, Versprachen sich aber, im halben Traum: Fänden sie nur da oben Raum, Wie Nachtigallen wollten sie singen. Der Tauwind kam, das Eis zerschmolz, Nun ruderten sie und landeten stolz Und saßen am Ufer weit und breit Und quakten…
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Wann kommt den nun das zarte Grün…
Wann kommt denn nun das zarte Grün, die ersten Knospen an den Bäumen? Man will dem Winter jetzt entfliehn, und nur von warmer Sonne träumen. Doch immer noch ist’s bitter kalt, der Frost zieht ihn die Knochen, ach Frühling komm, jetzt komm doch bald, es war’n sooo kalte Wochen. Ein jeder fiebert dir entgegen, will…
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Ingeborg Bachmann
Nichts mehr wird kommen. Frühling wird nicht mehr werden. Tausendjährige Kalender sagen es voraus. Aber auch Sommer und weiterhin, was so gute Namen wie ,sommerlich‘ hat – es wird nichts mehr kommen. Du sollst ja nicht weinen, sagt eine Musik. Sonst sagt niemand etwas.
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Ode an die Dinge – Pablo Neruda
Ich liebe die Dinge über alles, alles. Ich mag die Zangen, die Scheren, ich schwärme für Tassen, Serviettenringe, Suppenschüsseln – vom Hut ganz zu schweigen. Ich liebe alle Dinge, nicht nur die höherstehenden, sondern auch die un- end- lich kleinen, den Fingerhut, Sporen, Teller, Vasen. Bei meiner Seele, ist der Planet schön, voller Pfeifen, die…
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Der Weg – der Steg
Nur eine schmale Brücke, die das Dunkel mit dem Dunkel verbindet. Und ein Licht, das die Welt auflöst in winzige Punkte, die wir mühsam miteinander verbinden, um ein Bild zu erhalten – als hatten wir ein Recht auf ein Bild mit festem Rahmen. Von Norden wehen unverständliche Sätze über den Steg, Kindheitsworte, in Honig getaucht…
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Nächte durchflochten von Träumen
Es sind meine Nächte durchflochten von Träumen, die schwer sind wie müder Sand. Ich träume, es fallen von sterbenden Bäumen die Blätter in meine Hand. Und alle diese Blätter, sie werden zu Händen, die zärteln wie rollender Sand und müd sind wie Falter, die wissen: sie enden noch eh‘ sie ein Sonnenstrahl fand. Es sind…
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Es treibt der Wind im Winterwalde
Es treibt der Wind im Winterwalde die Flockenherde wie ein Hirt und manche Tanne ahnt, wie balde sie fromm und lichterheilig wird, und lauscht hinaus; den weißen Wegen streckt sie die Zweige hin, bereit und wehrt dem Wind und wächst entgegen der einen Nacht der Herrlichkeit. Rainer Maria Rilke
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Den Brief den du geschrieben
Der Brief, den du geschrieben, Er macht mich gar nicht bang; Du willst mich nicht mehr lieben, Aber dein Brief ist lang. Zwölf Seiten, eng und zierlich! Ein kleines Manuskript! Man schreibt nicht so ausführlich, Wenn man den Abschied gibt. Heinrich Heine
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„Herbstnachmittag“ …und ich bin wieder auf Reisen…
Die letzte Sonne des Jahres. Der letzte Schmetterling. Violett blüht die letzte Distel, Da wo ich gehe und ging. Im Vorjahr und all die Jahre Vor diesem letzten Jahr. Wieder die Abschiedsvorstellung. Was ist, was wird und war, Verschwimmt in eines. Verändert Bin vielleicht nur ich. Und eines Herbstes septembert Es ohne mich. Die letzte…