Kategorie: PROSA und LYRIK
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Mitten in der Sonne – Dame
MITTEN IN DER SONNE Klar wie Glas ist die Stunde: bleibt der Vogel unsichtbar, sehen wir die Farbe seines Gesangs. DAME Jede Nacht steigt sie hinab in den Brunnen und taucht am Morgen auf mit einem neuen Reptil in den Armen. Octavio Paz
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Ich … war … einmal
Oft weiß ich ganz genau: Ich … war … einmal; Ich habe schon einmal all dies gesehn; Der Baum vor meinem Fenster rauschte mir Ganz so wie jetzt vor tausend Jahren schon; All dieser Schmerz, all diese Lust ist nur Ein Nochmals, Immerwieder, Spiegelung Durch Raum und Zeit. – Wie sonderbar das ist: Ein Fließen,…
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Wilhelm Busch
Wer einsam ist, der hat es gut, Weil keiner da, der ihm was tut. Ihn stört in seinem Lustrevier Kein Tier, kein Mensch und kein Klavier, Und niemand gibt ihm weise Lehren, Die gut gemeint und bös zu hören. Der Welt entronnen, geht er still In Filzpantoffeln, wann er will. Sogar im Schlafrock wandelt er…
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Winter im Süden der Pferde
Ich bin durch der Wälder Rinden gedrungen, die tausendfach angefallen war vom astralen Schlag: ich habe des Pferdes Hinterkopf einschlafen gefühlt unter dem eisigen Stein der Nacht dieses Südens, fröstelnd in der Klamm des entblätterten Berges, aufwärtssteigend an fahler beginnender Felsenwange: ich kenne das Ende des Galopps im Nebel, die Lumpen des armen Wandernden: für…
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Die Himmelfahrt
Dank deinem Kusse ganz allein, nun flieg’ ich in den Himmel, Und hasche mit den Engeln mich im seligen Gewimmel. Sie jagen mich, sie greifen mich, sie wollen gern mich fangen, Ich reiß‘ mich los und laufe heim, zu küssen deine Wangen. Wilhelm Müller (1794 – 1827)
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Heute, 12. Jänner – Geburtstag von Haruki Murakami
Sprachlos saß ich da und starrte sie an, als sei sie ein Wunderwerk der modernen Technik, von dessen Existenz ich bislang nur gerüchteweise gehört hatte. Es war tatsächlich Shimamoto, die mir da gegenüber saß. Aber noch konnte ich es nicht fassen, dass sie es wirklich war. Ich hatte so unendlich lange an sie gedacht. Und…
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Atem der Erde – ein nicht alltäglicher Gedichtband
Es ist ein freundschaftliches Neujahrsgeschenk das ich bekommen habe. Eine herrliche Mischung von bekannten und vielfach unbekannten Gedichten auf wunderbarem Papier gedruckt! Muss ein Sommergedicht heiß sein, ein Herbstgedicht leis sein, ein Wintergedicht weiß sein frag ich. Schnee schneit mich ein Der Feldweg eine Andeutung, ich bin allein, der Volksmund sagt, mutterseelenallein – Meine Fußspuren, schon…
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Geduld du liebe Knospe
Geduld, du kleine Knospe Im lieben stillen Wald, Es ist noch viel zu frostig, Es ist noch viel zu bald. Noch geh ich dich vorüber, Doch merk ich mir den Platz, Und kommt heran der Frühling, So hol ich dich, mein Schatz. Graf von Platen
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Blutet der Spiegel in den ich schau?
Ich neige dazu, glaube ich, Leute lieber zu mögen als sie mich. Die grünsten Gräser unterhalten sich abends über Kälte, Wärme und Wind. Vergessen will ich lernen. Nur vergessen. Es genügt nicht, dass es Abend ist. Ich bin weit weg von mir. Sage nichts, aber sag es genau. Ich möchte aufwärts gehen, auch in Ebenen.…
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Wien – Im Park
Im Park Ein ganz kleines Reh stand am ganz kleinen Baum still und verklärt wie im Traum. Das war des Nachts elf Uhr zwei. Und dann kam ich um vier Morgens wieder vorbei. Und da träumte noch immer das Tier. Nun schlich ich mich leise – ich atmete kaum – gegen den Wind an den…
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Dantons Tod
Chaumette (zupft Payne am Ärmel). Hören Sie, Payne, es könnte doch so sein, vorhin überkam es mich so; ich habe heute Kopfweh, helfen Sie mir ein wenig mit Ihren Schlüssen, es ist mir ganz unheimlich zumut. Payne. So komm, Philosoph Anaxagoras, ich will dich katechisieren. Es gibt keinen Gott, denn: Entweder hat Gott die Welt…
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Es ist das Licht
Es ist das Licht, das zwischen Pyramiden Die Räume so groß macht, Und sie so hell vors Dunkel stellt, Licht, das den Vogel zwingt, Sein Gelb zu zeigen. Licht, zwingt mich nie; Laß mich zu Blau changieren Oder Veilchenschatten werfen, wann ich will. Heute, wenn alle meine Sinne spielen, Mach ich mir eigen deine Form,…
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(…) die blätter gibt es, diesen blog gibt es
(1) die aprikosenbäume gibt es, die aprikosenbäume gibt es (2) die farne gibt es; und brombeeren, brombeeren und brom gibt es; und den wasserstoff, den wasserstoff (3) die zikaden gibt es; wegwarte, chrom und zitronenbäume gibt es; die zikaden gibt es; die zikaden, zeder, zypresse, cerebellum (4) die tauben gibt es; die träumer, die puppen…
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Ja, da passen gleich die guten Wünsche zum Geburtstag von Elfriede Jelinek am 20. Oktober dazu
Wildes, grandioses Wasser, fällst mit hocherhobenem Köpfchen, auch wenn man Dich bereits gezähmt hat! Hier, wo du grade brausest, bist du noch nicht einmal gechlort für die Wohngebieter, die sich in der Stadt unter die Dusche stellen und dich auch noch trinken wollen, aber lieber trinken sie etwas Besseres. . . .
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Zuviel Glück – gibt es das?
Ja, bei ALICE MUNRO. Ich freue mich für sie. Zuviel oder zuwenig: für das Glück gibt es kein Maß, nie trifft man es richtig. Alice Munros Heldinnen und Helden geht es nicht anders, aber sie haben das Zuviel und Zuwenig erlebt: Sie kennen die Namen der Bäume, die Last ungeschriebener Briefe. Sie wissen, wie es…