Kategorie: PROSA und LYRIK
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Schneelicht
So blau liegt es über dem schneeweißen Schnee Und so schwarz die grünen Tannen Dass das ganz leis hinhuschendes Reh So grau ist wie nie beendbares Weh, das man doch so gern möchte bannen. Schritte knirschen in Schneemusik Und Winde stäuben die Flocken zurück Auf die weiß überschleierten Bäume. Und Bänke stehen wie Träume. Lichter…
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Es wird noch ein Weilchen weiterschneien (da kauft man sich rote Rosen und genießt den Duft)
Es wird noch ein Weilchen weiterschneien, wenn du fortgehst – rote Flocken auf meinem Balkon. Geranienschnee, der dauert, solange der Herbstwind den Atem anhält. Aber der Mond im Kastanienbaum schwindet schon und wird schmelzen in dunkle Nächte. Ich suche den Stern der bleibt. Leise an meinen Wangen redet Morgenregen. Die Trauergesichter der letzten Violen schauen…
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Die Zeit **32 – Blick aus dem warmen, gemütlichen Zimmer
Wenn ungesehn und nun vorüber sind die Bilder Der Jahreszeit, so kommt des Winters Dauer, Das Feld ist leer, die Ansicht scheinet milder, Und Stürme Wehn umher und Regenschauer. Als wie ein Ruhetag, so ist des Jahres Ende, Wie einer Frage Ton, dass dieser sich vollende, Alsdann erscheint des Frühlings neues Werden, So glänzet die…
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Zwei Frauen sitzen hier am Strand, plaudern und warten auf die Dunkelheit. Mit der Webcam verbunden warte ich mit.
Ein Austernfischer fliegt über seinem Spiegelbild eine windstille Bucht hinaus, zwei Austernfischer fliegen mit ausgebreiteten Schwingen dem Meer dem Himmel einander entgegen in ein sonnenweißes Schweigen und Luftspiele weit draußen über dem Fjord. Snorri Hjartatson – aus dem Isländischen übersetzt von Franz Gislason und Wolfgang Schiffer
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Menton
Denn das Wahre ist ernst; traue der Heiterkeit nicht. Es verblassen des Abends die Farben der Landschaft, auch die heitersten, und sie zeigt ihre ernsten Linien, wenn der dunkelnde Ölbaum gegen des Himmels Dämmergrau steht eingehüllt in Unbeweglichkeit. Oh das Gewesene, das sich abends herabsenkt als Ahnung des Immerseienden. Dann wird der Stein zum Kristall,…
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Das Zimmer abdunkeln und zuhören – (ein Ausschnitt) – Eine Olive des Nichts
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Nach 20 Monaten leuchten wieder die Sterne
Ich lese so gern, so gern die kleinen Kitsch-Romane Denn der liebe Gott macht da drin alles am Ende gut; Und die armen Liebenden sitzen nun glücklich unter Rosen im Kahne, Und kein Bösewicht stört sie mehr, der ihnen Schlimmes antut. Unser Wahn aber, dies Leben sei mehr, bringt doch bloß Tausende Schmerzen. Und wir…
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Alles ist dir verliehen für eine flüchtige Zeit
Alles ist Dir verliehen für eine flüchtige Zeit: so wie die Wolken dort ziehen, sei Du zur Reise bereit. Eigentum darfst Du nicht nennen, kaum Deine eigne Gestalt; glaubst Du sie endlich zu kennen, bist Du verändert und alt. Gib den wartenden Andern, noch leiden sie mehr als Du; zum unvergleichlichen Wandern brauchst Du nur…
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Mitte des Jahres
Kühle steigt aus abendlichen Wiesen, leises Atmen, das im Wind verweht. Ach, ein helles, blühendes Verfließen, Licht aus ungeahnten Paradiesen reift der Sonne zu und wird Gebet. Alles sehnt sich, wie die Grillen singen, singen sich in Blüten, Blatt und Baum. Sehnsucht wartet tief in allen Dingen, will sich ewig in das Leben singen…
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…dass wir uns orientieren an einem Ziel…
… Nun steckt aber in jedem Fall, auch im alltäglichsten von Liebe, der Grenzfall, den wir, bei näherem Zusehen, erblicken können und vielleicht uns bemühen sollten, zu erblicken. Denn bei allem, was wir tun, denken und fühlen, möchten wir manchmal bis zum Äußersten gehen. Der Wunsch wird in uns wach, die Grenzen zu überschreiten, die…
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Nachmittag
Wegen unserer Augenweide keiner uns tadelte, weil diese doch nicht nur meine Wenigkeit täte. Ein nutzloses Zier und stillos sei jener, der, den Unterschied in hässlich und schön nicht kennte. Saadi – nachgedichtet von Ali Ghazanfari
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Magnolienbaum
So schön warst du noch nie Magnolienbaum Ja Ich sag es dir jedes Jahr Du wiederholst dich in mir. Rose Ausländer
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Du lebst, oder bist tot
Der Himmel ist blau oder grau, Die Rose weiß, gelb oder rot, Das Zweibein ist entweder Mann oder Frau, Die Sonne geht auf oder unter, Du lebst oder bist tot – All dieser Lenzherbst Ist mir zu traurig und munter. Albert Ehrenstein (April)
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So ist es gewesen
Es ist wie ein Korken, der im Meer auf dem Wasser schwimmt, die Wellen schaukeln ihn zwar angenehm hin und her, doch wird er niemals wissen können, was am Grunde des Meeres ist. Natalia Gizburg
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Oh Herz
O Herz, da die Welt nichts als Schatten und Schein Warum quälst Du Dich ab in unendlicher Pein? Mit ruhigem Sinn geh‘ dem Schicksal entgegen Und glaub nicht, es ändere sich Deinetwegen! Khayyam